Donnerstag, 23. Dezember 2010

Die Zukunftsfähigkeit des Systems Südtirol

Die Zukunftsfähigkeit des Systems Südtirol hängt ab von der Evolutionsfähigkeit:
Es ist angenehm, ein so lebendiges Land wie Südtirol zu betrachten, schöner ist es noch, in Südtirol zu leben. Wir nehmen das alles als völlig normal, aber leben wir nicht in der der Gefahr, bestimmte Zeichen zu übersehen?


Wäre es neben der Freude über das Erreichte nicht auch an der Zeit, über die Entwicklungen nachzudenken und zu untersuchen, ob diese „Insel der Seligen“ sich vom ruhigen Auge des Zyklons entfernt und durch äußere und innere Einflüsse in stürmischere Gewässer abdriftet? So hat es Michl Ebner im Vorwort zu einem Buch treffend beschrieben.




Kontinuitäten und Bruchlinien bei der Entwicklung in Südtirol.

Wo können wir im Lande auf Kontinuitäten bauen
und wo entstehen Bruchlinien?

Setzen wir kurzfristige Ziele oder bauen wir auf längere Strategieentwicklung? Konzentrieren wir uns auf die Steine am Weg, oder orientieren wir uns an den Sternen? Maßnahmen wirken zeitversetzt, Versäumnisse spürt man nicht unmittelbar, sie wirken merklich erst fünf bis zehn Jahre später negativ. Aktionen zur Gegensteuerung wirken merklich positiv erst fünf bis zehn Jahre später!

Die Folge der versetzten Sicht: die Alarmsignale werden nur gedämpft wahrgenommen, Verbesserungs-Maßnahmen werden unterschätzt. Aber der Abbruch der Bürokratie und die Befreiung von ihrer Komplexität, die Eingrenzung der Vergesellschaftung der Wirtschaft, der Rückbau der egozentrischen Stände und deren egomanen Vertreter brennen unter den Nägeln.

Dazu brauchen wir aber eine Politik, die sich nicht an den kurzen Wahlzyklen und den noch kürzeren Zyklen zwischen den Pressekonferenzen, sondern an längeren Zeitabschnitten mit entsprechenden Visionen orientiert

Die Zukunft schickt uns Signale auch in die Gegenwart Südtirols

Die Zukunft schickt Signale in unsere Gegenwart, auch zwischen die Berge und Täler.
Lernen wir aus der Vergangenheit, hören wir die Signale aus der Zukunft und interpretieren sie! Evolution war und ist immer ein erkenntnis-gewinnender Prozeß, der in kleinen Schritten und schon im Ansatz Nutzen erzeugt. Also müssen wir Anpassungsfähigkeit an das Lebendige der Mitwelt erhalten, an die veränderten Gesellschaftsmodelle, an die Dynamik der Verschiebung der Schwerpunkte in der Volkswirtschaft, besonders vieles aber auch auf den neuen Kommunikations-Kanälen und den sozialen Netzwerken im Internet.

Wir wissen daß sowohl das lähmende marxistische, als letztlich auch das krisengebeutelte kapitalistische Gesellschaftsmodell schmerzhaft gescheitert sind. Beide sind untergegangen in deren Ignoranz des Individuums, ein existentieller Mangel, und einer Menschverachtung direkt vergleichbar.

Wir erleben aber in Südtirol aber eine zunehmende Vergesellschaftung im Interesse der Machtpunkte; wobei es wachsam auf die Dosis zu sein gilt.


"Allein die Dosis macht das Gift."
 Paracelsus(1493-1541)

Entscheidend ist die Balance im Fließgleichgewicht der Lebensumstände

Entscheidend ist die Balance im Fließgleichgewicht der Lebensumstände, auch der eines Landes wie Südtirol.

Jetzt gilt es wachsam zu sein auf die Balance zwischen den Extremen: zwischen dem Stillstand totaler neomarxistischer Vergesellschaftung (und damit Abstieg und Ruin) oder der neoliberalen Wachstumsspirale des „shareholder value“ (und damit Zerstörung der Mitwelt). Dort im Gleichgewicht einer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft könnten wir vielleicht das Optimum der richtigen Dosis suchen.


Unternehmer, die etwas herstellen, brauchen Kapital, um Arbeit, Maschinen und Rohstoffe kaufen zu können. Dieses Geld wird als Kredit von Banken zur Verfügung gestellt und ist damit der Motor des Wachstums. Aus dem Geldvorschuß resultiert dann ein Wachstumszwang: Die Gewinne, die die Unternehmen heute machten, müssen die Investitionen von gestern rechtfertigen.
Hier müßte eine gesunde und Menschen- verträgliche Entschleunigung ansetzen

Wachstum verbraucht auch die Südtiroler Natur

Da Wachstum immer Natur verbraucht, wäre es angebracht durch Kurskorrekturen am Wirtschaftssystem um das Wachstum zu entschleunigen.
Aktiengesellschaften, die auf immerfortwährenden Gewinn ausgerichtet sind, könnte man durch andere Unternehmensformen ersetzen: Genossenschaften oder Stiftungen, die noch hinreichend gut, weil langfristig denkend, aber weniger Wachstumsdynamik entfalteten.

Die wichtigsten Werte, die wir in Südtirol haben, sind die hellen Köpfe vieler besonderer Menschen und die herrliche Natur. Die Idee der ökologischen Steuerreform könnte (in homöopathischen kleinen Schritten) versuchen, die Natur langfristig als eigenständigen „Sozialpartner“ an der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung sichtbar werden zu lassen.

Wir müssen auch in Südtirol nichts auf den Kopf stellen..


..wir können von der Evolution lernen
   
Die Veränderung ist immer auch Chance, den Vorsprung auszubauen, nicht zuletzt, weil wir in Südtirol in den Stürmen der Zeit und unter unterschiedlichen Mächten, gelernt haben, gut damit umgehen zu können.
Angebracht ist deshalb auch keine Revolution, sondern eine sanfte aber entschiedene Evolution mit Hilfe einer Optionenstrategie:
sich einem großen Ziel nähern, in überschaubaren Schritten, mit alternativen taktischen Zwischenwegen und Umkehroptionen.
Wir müssen nichts auf den Kopf stellen oder durch radikale Schnitte erreichte Lebensqualität der Menschen gefährden. Sanft, aber auf lange Sicht konsequent;

so wie wir es aus der Schöpfungsgeschichte kennen: Die Evolution ist ein großer Lehrmeister.