Montag, 31. Jänner 2011

Der Landtag als Volksvertretung ?

Es war einmal ein Landtagspräsident, der Politiker und Brückenbauer sein konnte und es auch wollte. Er hatte zwei besondere Eigenschaften: Leicht hatte er es deshalb in seiner politischen Umgebung nicht.

Als Vertreter einer vom Aussterben bedrohten Art: ein „zoon politikon“ nach Aristoteles „der Mensch als soziales, Gemeinschaft bildendes Lebewesen“ wollte er

1.    einen Landtag, der zuvorderst auf das Gemeinwohl ausgerichtet sein sollte. Vom Ideal nicht abzulassen, ist auch ein Merkmal der auf Gemeinschaft angelegten Wesen. Volksvertretung nicht als Geldquelle zu betrachten, ist eine logische Folge. Die gute Bezahlung der Politiker war im Ansatz klug, weil es die Volksvertreter gegen korrupte Angebote immunisiert hat. Jetzt ist es aber zur Überdosis verkommen. Und
2.  er hat als "zoon politikon" die Fähigkeit entwickelt, Gemeinsames über Trennendes und den Gemeinnutz im Brennpunkt seiner Arbeit zu sehen. Wenn Politiker Jahrzehnte gewohnt waren, für sich und seine Gruppe Vorteile durch Polarisierung herauszuschinden, gerät jemand wie er rasch in deren Augen in den Ruf eines Träumers.

Daß das bisherige System des Drängens um den Futtertrog, des Trennens und des Verhinderns gescheitert ist, haben viele seiner Kollegen des engeren Kreises und der der Lobbyisten zwischen den Brettern der engen Sicht noch nicht verstanden.

Er mußte das Handtuch aus formalen Spitzfindigkeiten werfen. Doch das warfür seine Gegner ein Pyrrhus-Sieg: Denn die Ideen des Landtagspräsidenten haben immer noch die einmalige Qualität der Zukunftsfähigkeit, die vielen anderen seiner Klasse inzwischen verloren gegangen ist.

Montag, 17. Jänner 2011

Behörden "mauern" gegen Privatinitiativen

Voraus: Der Südtiroler Sanitätsbetrieb und seine betreuten Patienten können sich in vielen Bereichen über die hohe Qualität der Leistungen freuen.
Aber es gibt auch noch eine Parallele zu den Italienischen Staatsbahnen. Nämlich dort, wo die Kunden (Patienten) eine für sie bessere Alternative bevorzugen, beginnen sie beide dagegen zu "mauern".
Die Staatsbahnen, bzw. die Behörde, verbieten den bekannt qualitativ höherstehenden DB und ÖBB das Halten an den Zwischenstationen, und die SaBeS den Krankenwagen, die Marienklinik und andere Private (zu normalen Bedingungen) anzufahren.
Das ist anscheinend ein weiterer Schritt zu den bisherigen Bestrebungen der Landesverwaltung, das Gesundheitssystem total zu "Vergesellschaften", also private Initiativen, so wie weiland im "realen Sozialismus" des Ostens, zu ersticken.
Schade, weil das das Ansehen eines sonst auch guten Systems unnötig in der Bevölkerung beschädigt.

Samstag, 8. Jänner 2011

Nordtirol und sein Südstaatenproblem; oder :man mag uns...,man mag uns nicht...

Was ich unterschätzt habe, ist die unterschwellige Abneigung so vieler Nordtiroler gegen Südtirol, bzw. dessen Leute. Ich kann es auch nicht oder kaum verstehen. Ein Rückstand aus der Optionszeit kann es ja nicht mehr sein. Also ist es doch etwas wie Neid oder Eifersucht, daß im Süden nicht mehr die armen Verwandten leben, denen man "Stille Hilfe" zukommen läßt, sondern (vielleicht zu) selbstbewußte und noch dazu oft wohlhabendere gesättigte Vettern?
Da gibt es dann noch dazu einige Vettern, die nicht mehr nach Norden aufschauen, sondern mit ihrer vom Geld elastisch gewordenen Moral mit dem Süden kokettieren, wenn es ihnen nur nützt. (gut ist, was mir nützt...) Oder sind es vielleicht nur die sonst imLeben auch oft vorkommenden kleinen Animositäten zwischen Verwandten?

Da fällt mir Indro Montanelli ein, der in einem ganz anderen Zusammenhang geschrieben hat: „wir lieben sie, aber wir schätzen sie nicht; sie aber schätzen uns, doch sie lieben uns nicht…“

Dabei übersehen die von der TT Befragten, daß sich diese ihre Einstellung bestenfalls auf das Bundesland Tirol beschränkt, nicht aber auf ganz Österreich zutrifft. Ich finde überall sonst- von Vorarlberg bis zum Burgenland, vom Waldviertel bis zur Steirischen Weinstraße - eine meist sehr herzliche Zuneigung zu Südtirol.
Leider wird in Südtirol der Begriff "Österreich" synonym für das "Bundesland Tirol" verwendet, was wie in diesem Beispiel, zu völlig verkehrten Ansichten über die Einstellung der Leute in ganz Österreich führt.
In Südtirol selbst finde ich eine stark verbreitete emotionale Anhänglichkeit an Alt-Österreich, gepaart mit der Ansicht "die wollen uns eh nicht mehr", also machen wir so viel Autonomie wie nur möglich, oder besser vielleicht einen Freistaat.

Aber mit diesen Befindlichkeiten (ein kleines Beispiel dazu war das Verhalten der Burggräfler Schützen bei der Gedenkfeier) vergeigen wir uns alle Chancen einer "Europaregion Tirol", die wir hätten.
Ich bin überzeugt, daß wir in Europa die besten Möglichkeiten haben, denn die Nationalstaaten sind ein Relikt des 19.Jhd. und werden sich im Europa der Regionen sehr langsam, aber dennoch stetig mit den nächsten Generationen auflösen.

Freitag, 7. Jänner 2011

Toblacher Gespräche: Geld regiert die Welt – doch wer regiert das Geld?

Toblacher Gespräche, Oktober 2010: Wege zu einer öko-sozialen Finanzwirtschaft

An der Nahtstelle zwischen den Kulturen haben die Toblacher Gespräche seit 1985, und von 2005 bis 2007 unter Leitung von Hans Glauber entscheidende Umweltthemen erörtert und Lösungsansätze vorgeschlagen. Die jährlichen Gespräche wurden zu einer angesehenen Denkwerkstatt für die ökologische Wende im alpinen Raum und darüber hinaus. Ganz im Geiste Glaubers, der sich an der Vision des „Solaren Zeitalters" als neuen zivilisatorischen Entwurf orientiert hat, wurde die Reihe 2010 mit „Geld regiert die Welt – doch wer regiert das Geld?“, „Wege zu einer öko-sozialen Finanzwirtschaft" weitergeführt.


Die Tagung wollte der Macht von Geld im Alltag und in der Wirtschaft auf die Spur kommen, sie wollte Instrumente liefern, die Ursachen zu durchschauen. Denn bei der Anbahnung des „Solaren Zeitalters“, Glaubers Vision einer nächsten zivilisatorischen Entwicklungsstufe, will man Lösungen finden: Einerseits der Macht des Geldes zu trotzen, und andererseits diese ungeheure Macht in die Richtung einer öko-sozialen Finanzwirtschaft lenken. Dabei stellen sich wiederum neue Fragen, die es zu beantworten gilt: Läßt sich der Finanzkapitalismus dem Gemeinwohl unterordnen? Wie können die Bürger Macht über die Geldströme gewinnen, um eine möglichst dynamisch stabile und zukunftsfähige Wirtschaft zu bauen?

In memoriam Hans Glauber (1933 - 2008)
Der Künstler, Quer- und Vordenker Hans Glauber hat mit seinen Ideen und Initiativen im Umwelt-bereich zahlreiche zukunftsweisende Entwicklungen und Projekte angestoßen. Im Jahre 1985 rief er die "Toblacher Gespräche" ins Leben, die sich eines ausgezeichneten Rufes weit über die Landesgrenzen hinaus erfreuen. Vier Jahre später gründete er in Bozen das "Ökoinstitut Südtirol/Alto Adige".