Was ich unterschätzt habe, ist die unterschwellige Abneigung so vieler Nordtiroler gegen Südtirol, bzw. dessen Leute. Ich kann es auch nicht oder kaum verstehen. Ein Rückstand aus der Optionszeit kann es ja nicht mehr sein. Also ist es doch etwas wie Neid oder Eifersucht, daß im Süden nicht mehr die armen Verwandten leben, denen man "Stille Hilfe" zukommen läßt, sondern (vielleicht zu) selbstbewußte und noch dazu oft wohlhabendere gesättigte Vettern?
Da gibt es dann noch dazu einige Vettern, die nicht mehr nach Norden aufschauen, sondern mit ihrer vom Geld elastisch gewordenen Moral mit dem Süden kokettieren, wenn es ihnen nur nützt. (gut ist, was mir nützt...) Oder sind es vielleicht nur die sonst imLeben auch oft vorkommenden kleinen Animositäten zwischen Verwandten?
Da fällt mir Indro Montanelli ein, der in einem ganz anderen Zusammenhang geschrieben hat: „wir lieben sie, aber wir schätzen sie nicht; sie aber schätzen uns, doch sie lieben uns nicht…“
Dabei übersehen die von der TT Befragten, daß sich diese ihre Einstellung bestenfalls auf das Bundesland Tirol beschränkt, nicht aber auf ganz Österreich zutrifft. Ich finde überall sonst- von Vorarlberg bis zum Burgenland, vom Waldviertel bis zur Steirischen Weinstraße - eine meist sehr herzliche Zuneigung zu Südtirol.
Leider wird in Südtirol der Begriff "Österreich" synonym für das "Bundesland Tirol" verwendet, was wie in diesem Beispiel, zu völlig verkehrten Ansichten über die Einstellung der Leute in ganz Österreich führt.
In Südtirol selbst finde ich eine stark verbreitete emotionale Anhänglichkeit an Alt-Österreich, gepaart mit der Ansicht "die wollen uns eh nicht mehr", also machen wir so viel Autonomie wie nur möglich, oder besser vielleicht einen Freistaat.
Aber mit diesen Befindlichkeiten (ein kleines Beispiel dazu war das Verhalten der Burggräfler Schützen bei der Gedenkfeier) vergeigen wir uns alle Chancen einer "Europaregion Tirol", die wir hätten.
Ich bin überzeugt, daß wir in Europa die besten Möglichkeiten haben, denn die Nationalstaaten sind ein Relikt des 19.Jhd. und werden sich im Europa der Regionen sehr langsam, aber dennoch stetig mit den nächsten Generationen auflösen.






Liebe Silke,
AntwortenLöschenDa hat sich zum Thema eine ganz lustige Debatte ergeben. Auch Dein Vergleich mit Vorarlberg hat einiges an sich. Zumindest die emotionale Seite.
Die historischen Fakten zwischen Innsbruck und Bozen sind zwar völlig anders, als die zwischen Bregenz und Wien: hier würde der Vergleich hinken, denn die Einen sind beide Tiroler, die Anderen sogar verschiedene Stämme (Alemannen / Bayuwaren und allerhand k.u.k. Mischlinge) .
Aber die Befindlichkeit aus Gründen des Neides des Großen gegenüber dem kleineren erfolgreichen Verwandten genau die gleichen: die Kleinen, die obendrein auch noch so selbstbewußt und selbstständig sind. Wenn doch die "Großen" so gerne hätten, daß die anderen zu ihnen aufschauen, wo doch nach ihrer Sicht der Mittelpunkt ist...
Deshalb ist Dein Bild vom schweizeischen Charakter der Südtiroler auch so treffend. Und wenn einer erfolgreich ist, meint er ganz schnell, daß das so gottgewollt sei.
Da gehe ich mit dem Gedankensprung noch einen Schritt weiter: Auch die Bundesdeutschen haben ein ähnliches Problemchen mit den effizienteren Bayern. Und sie, die Nordleute, müssen sich das auch noch ständig unter die Nase reiben lassen... Deshalb deren reziprokes Südstaatenproblem mit den Bayern "von Gottes Gnaden".
Ganz liebe Grüße, Helmut
----------------------------------------------------------
Zitat von Silke Wastler :
Lieber Helmut,
ja, das mit der Sprache hat natürlich nicht nur mit Verständigungsschwierigkeiten zu tun, sondern natürlich, ob ich mein Gegenüber verstehen will, was oft auch mit Eifersucht zu tun hatte. Vielleicht habe ich mich da schlecht ausgedrückt, aber ich meinte es auch so. Es ist ein nicht wollen von den zum Beispiel Österreichern, so wie bei den Vorarlbergern. Denn verstehen würde ja zuhören vorraussetzen, wozu der Durchschnittsbürger gar nicht mehr in der Lage ist oder will. Und ich glaube auch, dass Österreich auf Vorarlberg eifersüchtig ist. Ich sage das jetzt so provokant, da es irgendwie abgehandelt wird, als ob Voralberg nicht zu Österreich gehören würde. Und ich glaube, dass das auch etwas mit Eifersucht zu tun hat. Sie liegen begünstigt, Liechtenstein, Schweiz, sind sehr autonom in ihren Handlungen,